Was ist FGM·C?

Was ist FGM·C?

Bei der weiblichen Genitalbeschneidung/ -verstümmelung (engl.: female genital mutilation/ cutting) werden die äußeren Geschlechtsorgane ohne medizinische Begründung teilweise oder ganz entfernt. FGM·C wird häufig traditionell von Beschneiderinnen vorgenommen. Allerdings wird die Praktik heutzutage zunehmend durch medizinisches Fachpersonal in Krankenhäusern und Privatpraxen durchgeführt. Die häufigsten Formen von FGM·C sind:

Typ I: Die Klitoridektomie: dabei wird die Klitoris abgetrennt.

Typ II: Bei der Exzision werden darüber hinaus die kleinen Schamlippen zum Teil oder ganz abgeschnitten. Typ III: Bei der Infibulation, auch „pharaonische Beschneidung“ genannt, werden zusätzlich die äußeren Schamlippen entfernt und die Vagina bis auf eine winzige Öffnung zugenäht. Etwa 15 % aller Betroffenen sind infibuliert. Für Geschlechtsverkehr und Entbindung ist es notwendig, die Vagina zu öffnen (Defibulation).

Typ IV: Alle anderen schädlichen Praktiken am weiblichen Genital, wie z.B. stechen, brennen/ätzen & Klitorisverlängerung.


MenschenrechtsaktivistInnen bezeichnen die Praktik nicht als „Beschneidung“, sondern als weibliche Genitalverstümmelung. Damit soll deutlich gemacht werden, dass FGM·C eine Menschenrechtsverletzung ist, die schwerwiegende Folgen hat. Im
direkten Gespräch mit Betroffenen ist es jedoch angemessener, von „Beschneidung“ zu sprechen. Viele Betroffene möchten nicht als verstümmelt bezeichnet werden.

Verbreitung:

Laut  den neuesten Zahlen der TERRE DES FEMMES Dunkelzifferstatistik (2019) leben derzeit 70.000 Frauen in Deutschland, die vom Ritual der weiblichen Genitalbeschneidung, kurz FGM·C, betroffen sind. Des Weiteren schätzte die Frauenrechtsorganisation die Zahl der gefährdeten Mädchen auf ca. 17.600. 

Weltweit sind ca. 200 Millionen Mädchen und Frauen an ihren Genitalien beschnitten. Die weibliche Genitalbeschneidung kommt häufig in 30 Ländern Afrikas, im Süden der arabischen Halbinsel und in einigen Ländern Asiens vor. Die Verbreitung hängt meist mit der Zugehörigkeit zu einer bestimmten ethnischen Gruppe zusammen. Einige Ethnien im Jemen und eine ethnische Minderheit in Indien bzw. Pakistan praktizieren ebenfalls Genitalverstümmelungen. Über die Verbreitung von FGM·C in Bahrain, Irak, Israel, Oman und in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Malaysia und Indonesien gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Weibliche Genitalbeschneidung ist nicht auf die AnhängerInnen einer bestimmten Religion beschränkt. Sie kann sowohl Christinnen, Musliminnen, Jüdinnen als auch Zugehörige anderer Religionen betreffen. Über die Entstehung von FGM·C liegen kaum gesicherte Daten vor. Auch in Europa und Nordamerika wurden seit dem ausgehenden Mittelalter immer wieder die äußeren weiblichen Genitalien operativ manipuliert. Begründet wurde dies als Therapie bei nervösen Erkrankungen, Hysterie und Selbstbefriedigung.

Wie wird die Praktik begründet ?

Die Begründungen unterscheiden sich je nach Region, Gesellschaftsordnung und Wertesystem. Am häufigsten werden genannt:

* Es sei Tradition. FGM·C entspricht der Lebensweise aller vorhergehenden Generationen. Die Praxis sei deshalb als kulturelle Tradition angesehen, die gewahrt werden muss. Nichtbeschnittene werden ausgegrenzt.

* In manchen afrikanischen Gesellschaften wird der Übergang vom Kind zum Erwachsenen mit Ritualen und Festen begangen: Genitalverstümmelung ist oft Initiation zum Erwachsenwerden.

* FGM·C ist Voraussetzung für die Heirat. Von den Frauen wird erwartet, dass sie eine gute Ehefrau und Mutter sind. Dazu gehört auch ein kontrolliertes Sexualverhalten. Durch FGM·C soll garantiert werden, dass die Frau bis zur Hochzeit ihre Jungfräulichkeit bewahrt und in der Ehe treu bleibt.

* Medizinische Mythen und Hygiene. Beispiele: Eine „beschnittene“ Vulva sei hygienischer, das Berühren einer Klitoris sei tödlich oder mache impotent, weiblichen Genitalien seien in ihrem natürlichem Zustand unrein oder männlich oder würden unaufhörlich weiter wachsen. * Genitalverstümmelung sei ein Gebot der Religion. Doch weder in der Bibel noch im Koran wird FGM·C erwähnt. Dass FGM·C nicht von der Religion abhängt, zeigt sich daran, dass AnhängerInnen verschiedener Religionen sie praktizieren.

* Unbeschnittene weibliche Genitalien seien hässlich und unrein (Schönheitsideal)

Körperliche Folgen:

Weibliche Genitalverstümmelung kann nicht wieder rückgängig gemacht werden.  

Direkte Folgen der Beschneidung sind neben großen Schmerzen oft schwere Blutungen und Schockzustände. Wenn FGM unter unhygienischen Bedingungen stattfindet – was häufig der Fall ist – kann es zu Blutvergiftung und Wundstarrkrampf kommen. Werden mehrere Mädchen mit dem gleichen Werkzeug verstümmelt, besteht die Gefahr, dass HIV oder Hepatitis übertragen wird. Aus Angst vor Schmerzen beim Wasserlassen kommt es vor, dass die Mädchen den Urin zurückhalten und zu wenig trinken. Zusammen mit Verletzungen der Harnröhre ist dies ein Grund für dauerhafte Infektionen im Harnbereich und Unterleib. Bei infibulierten Frauen kann sich die Monatsblutung stauen, was häufig zu Unfruchtbarkeit führt. Dies ist in vielen Teilen Afrikas für den Mann ein Scheidungsgrund, weil Kinderreichtum ein wichtiges Ideal ist. Somit haben die gesundheitlichen Folgen der weiblichen Genitalbeschneidung großen Einfluss auf das soziale Leben von Frauen. An der Narbe kann es außerdem zu Eiterungen, Zysten und Wucherungen kommen. Diese können das Wasserlassen, den Geschlechtsverkehr und den Geburtsverlauf erschweren. Da das vernarbte Gewebe weniger elastisch ist, besteht die Gefahr eines Geburtsstillstandes, wodurch das Kind nicht mit ausreichend Sauerstoff versorgt wird und sterben kann. Somit steigt auch die Müttersterblichkeit unter betroffenen Frauen.

Psychische Folgen: Genitalbeschneidung verletzt auch die Persönlichkeit der Betroffenen in ihrem Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Obwohl mit dem Entfernen der Klitoris das sexuelle Empfinden eindeutig eingeschränkt sein kann, sind die Folgen für die Sexualität für die einzelne Frau sehr verschieden. Es gibt Frauen, die beim Geschlechtsverkehr Schmerzen haben und daher keine Lust empfinden. Es gibt aber auch betroffene Frauen, die mit ihrem Sexualleben zufrieden sind, da sexuelle Erfüllung von vielen Faktoren abhängig ist. Die psychischen Folgen der Genitalverstümmelung können sehr unterschiedlich sein. Es können Angstreaktionen, Konzentrationsschwäche, gestörtes Essverhalten oder Depressionen auftreten. 

Eine Verarbeitung der erlittenen Verletzung ist oft dadurch erschwert, dass FGM·C ein gesellschaftliches Tabu darstellt. Lehrerinnen und Lehrer berichten, dass die betroffenen Mädchen häufig durch plötzliche Konzentrationsstörungen und ein geringes Interesse am Lernen auffallen. Sie versäumen den Unterricht und brechen häufig die Schule vorzeitig ab. So erleiden die Mädchen aufgrund körperlicher und seelischer Folgen von FGM·C auch soziale Einschränkungen. Eine hohe Mütter- und Kindersterblichkeit, Unfruchtbarkeit, Arbeitsunfähigkeit und Krankheit als Folge von FGM·C betreffen nicht nur die Mädchen und Frauen, sondern hemmen die Entwicklung der gesamten Gesellschaft.

SPENDENKONTO:

Sparkasse Heidelberg IBAN: DE33 6725 0020 0009 2952 16 BIC: SOLADES1HDB
Wichtig: Empfänger/ Verwendungszweck: GGIRN/ breaking blades